Wenn jede Minute zählt - Ursachen, Symptome und Therapie bei einem Schlaganfall

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Januar 2019

Wenn jede Minute zählt - Ursachen, Symptome und Therapie bei einem Schlaganfall


Wenn jede Minute zählt - Ursachen, Symptome und Therapie bei einem Schlaganfall

"Bei einem Schlaganfall entscheiden Minuten, ob der Patient bleibende Schäden zurückbehält", so Dr. Michael Trautnitz, der als Chefarzt der Inneren Medizin auch für die Schlaganfallversorgung in der Kreisklinik Wolfratshausen verantwortlich ist.

Denn mit jeder Minute ohne Sauerstoffversorgung sterben sehr viele Gehirnzellen. Die schnelle Behandlung ist deshalb von höchster Priorität. Dr. Trautnitz informiert über Ursachen, Symptome eines Schlaganfalls sowie über die Behandlung in der Wolfratshausener Klinik.

 

Herr Dr. Trautnitz, wie kommt es zu einem Schlaganfall?

Der Grund kann eine verengte oder verschlossene Arterie sein, die die Sauerstoffversorgung zu den Gehirnzellen abschneidet. Dafür verantwortlich ist häufig eine verkalkte Arterie. Bei größeren Arterien blockieren in der Regel Blutgerinnsel den Durchgang. Nur in etwa zwölf Prozent der Fälle ist eine Hirnblutung für den Schlaganfall verantwortlich.

 

Welche Symptome weisen auf einen Schlaganfall hin, kann ich sie zu anderen Beschwerden abgrenzen?

In erster Linie sind dies Symptome, die jeder kennt bzw. kennen sollte: Zum Beispiel die Lähmung einer Körperhälfte, des Gesichts oder die Unfähigkeit zu sprechen. Aber auch weniger dramatische Beschwerden können Anzeichen eines Schlaganfalls sein: etwa der plötzliche Schwindel, eine Gangunsicherheit, Gefühlsstörungen, vorübergehende Sprachschwierigkeiten oder Sehstörungen sowie eine kurzzeitige Schwäche in Arm oder Bein. Leider werden solche Beschwerden von den Menschen häufig nicht ernst genommen. Die Erfahrung zeigt aber, dass einigen Schlaganfällen diese "kleinen" Schlaganfälle vorausgegangen sind. Schnell erkannt und sofort behandelt wäre es vielleicht nie zum schweren Schlaganfall gekommen.

 

Warum ist schnelle Hilfe nach einem Schlaganfall so extrem wichtig und wie erhalte ich sie?

Von allen Organen reagiert das Gehirn am empfindlichsten auf Sauerstoffmangel. Bereits nach wenigen Minuten kann das zu bleibenden Schäden führen, Schlaganfälle sind die häufigste Ursache für Behinderungen. Ein  verschlossenes Hirngefäß kann mit einer Infusion (Lysetherapie) wieder eröffnet werden. Diese Lysetherapie soll so schnell wie möglich durchgeführt werden, maximal bis 4,5 Stunden nach Auftreten der Symptome kann sie angewendet werden.

 

Was können ich bzw. meine Angehörigen bis zur ärztlichen Versorgung selbst tun?

Bei den ersten Hinweisen auf einen Schlaganfall ist es extrem wichtig, unverzüglich über den Notruf, z. B. 112,  Hilfe zu holen.  Im Telefonat sollte sofort mitgeteilt werden, dass der Verdacht auf einen Schlaganfall besteht, dann wird die Rettungsleitstelle für schnelle Hilfe sorgen.  Darüber hinaus  sollte man beim Patienten bleiben und versuchen, ihn zu beruhigen, bis der Patient abgeholt und versorgt wird.

 

Welche Versorgung bietet die Kreisklinik Wolfratshausen bei einem Schlaganfall an?

Eine schnelle und qualifizierte Diagnose und Behandlung stehen bei uns im Vordergrund. Dies gelingt, weil wir seit ca. 12 Jahren via Telemedizin mit der Neurologischen Klinik in Großhadern zusammenarbeiten. Nach einer kurzen Aufnahme wird so schnell wie möglich der Kopf des Patienten mittels Computertomographie untersucht. Die kooperierenden Neurologen in Großhadern sehen die Befundbilder online, so dass keine wertvolle Zeit verloren geht. Sie sprechen über unser Übertragungsgerät – „Teledoc“ - mit dem Patienten und können seine Reaktionen über eine hochauflösende Videokamera unmittelbar beurteilen. Auf dieser Grundlage stimmen unser Behandlungsteam und die Neurologen in Großhadern die individuell geeignete Therapie ab, die wir umgehend in die Wege leiten.  Unsere Klinik hält alle wesentlichen medizinischen Geräte für die schnelle  Diagnose und Therapie von Schlaganfällen vor. Unsere Physio- und Ergotherapeuten und Logopäden beginnen mit dem Training des Patienten frühzeitig nach dem Schlaganfall. Der an unserer Klinik niedergelassene Neurologe Dr. Markus  Riedel gehört zum Schlaganfallteam und begleitet uns fachärztlich auch bei allen anderen neurologischen Erkrankungen.

Wenn wir davon ausgehen, dass ein bisher nicht erkanntes Vorhofflimmern den Schlaganfall ausgelöst haben könnte, kann nach der akuten Behandlung  auch ein kleiner Chip, der den Herzrhythmus aufzeichnet, unter die Haut implantiert werden.

 

Wird die Schlaganfallbehandlung heute extern auf Qualität überprüft?
Auch die Schlaganfallbehandlung der Kreisklinik Wolfratshausen unterliegt selbstverständlich einer externen Qualitätskontrolle: In der Häufigkeit und Schnelligkeit der Diagnosestellung durch CT und schneller Durchführung der Lysetherapie haben wir gute oder sehr gute Ergebnisse erzielt.

 

Was zeichnet eine gute Behandlung aus?

Das Wichtigste sind die schnelle Diagnostik und dass die Arterien durch die richtige Therapie schnellstmöglich geöffnet werden. Auch muss der Patient nach der akuten Behandlung umgehend und sehr individuell durch Spezialisten wie Logopäden, Ergotherapeuten und Krankengymnasten trainiert und rehabilitiert werden. Die durch einen Schlaganfall verursachten Einschränkungen können ja sehr unterschiedlich sein, so dass jeder Patient ein eigens auf ihn abgestimmtes Therapieprogramm benötigt.

 

Welche Risikofaktoren eines Schlaganfalles kennt man in der Medizin und wie kann man ihm vorbeugen?

Bekannte Risikofaktoren für Arterienverkalkung sind unter anderem hoher Blutdruck, Rauchen, hohes Cholesterin oder Diabetes und familiäre Belastung. Alleine durch regelmäßige Bluthochdruckkontrollen und gegebenenfalls Behandlung durch den Hausarzt sowie durch den Verzicht auf Zigaretten kann jeder sein Risiko deutlich senken. Riskant ist auch ein unregelmäßiger Puls, dieser kann auf Dauer zu Blutgerinnseln im Herzen führen. Das sogenannte Vorhofflimmern kann einen Schlaganfall verursachen. Aus diesem Grund sagen die Ärzte "Kenne Deinen Puls". Wer beim gelegentlichen Pulsmessen einen unregelmäßigen oder schnellen Puls von über 100 feststellt, sollte das unbedingt von seinem Hausarzt überprüfen lassen.

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Bild: Das Klinikum Wolfratshausen arbeitet eng mit Großhadern zusammen: Dr. Michael Trautnitz demonstriert die Zusammenarbeit mit den Spezialisten in München mittels Videokonferenz.

 

Text und Foto: Michèle Kirner-Bernoulli, Freie Journalistin

 



Abteilung für Innere Medizin


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