Gefährlicher Leistenbruch

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Juni 2019

Gefährlicher Leistenbruch


Wolfratshausener Hernienspezialist warnt vor Unterschätzung

Gefährlicher LeistenbruchJährlich rund 200 Operationen in der Kreisklinik Wolfratshausen: Dr. Stefan Schmidbauer bei einer Leistenbruchoperation

Gefährlicher Leistenbruch

Wolfratshausener Hernienspezialist warnt vor Unterschätzung

 

Sie können in einer Schwangerschaft auftreten, bei starkem Übergewicht oder nach einer Operation: Die Rede ist vom Bauchwandbruch, vielen bekannt als Narben- oder Leistenbruch. Was viele nicht wissen und sich durch Unterschätzung in Gefahr begeben: Wird der Bruch nicht behandelt, kann ein lebensbedrohlicher Darmverschluss die Folge sein. Wie es soweit kommen kann und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, erklärt Dr. Stefan Schmidbauer, Leiter des Hernien-Zentrums an der Kreisklinik Wolfratshausen. Das zertifiziertes Kompetenzzentrum trägt das Siegel „Qualitätsgesicherte Hernienchirurgie“ der Deutschen Hernien Gesellschaft.

 

Dr. Schmidbauer, was passiert bei einem Bauchwandbruch?

Dr. Stefan Schmidbauer: Der Bauchwandbruch ist ein Riss im Bindegewebe der Bauchdecke. Als Folge können Organe wie etwa der Darm zeitweise oder dauerhaft durch den Riss dringen, sodass eine ertastbare Beule am Bauch oder in der Leiste entsteht.

 

Wie wird ein Leistenbruch diagnostiziert?

Dr. Schmidbauer: Meistens reichen das Abtasten und eine darauffolgende Ultraschalluntersuchung.

 

Welche Faktoren können einen Bruch verursachen?

Dr. Schmidbauer: Entstehen kann diese Schwachstelle, wie der Name schon sagt, meistens rund um die Leiste, am Nabel oder auch bei einer schlecht verheilten Operationsnarbe. Die Ursachen sind ganz unterschiedlich. Eine kann der erhöhte Druck im Bauch in der Schwangerschaft oder bei stark übergewichtigen Personen sein. Zu den Risikofaktoren gehören außerdem ein angeborenes oder altersbedingtes schwaches Bindegewebe oder untrainierte Bauchmuskeln. Schwere körperliche Arbeit, Husten oder starkes Pressen beim Stuhlgang können einen Bruch zusätzlich begünstigen. Man hat auch festgestellt, dass Männer acht Mal häufiger betroffen sind als Frauen.

 

Gibt es Symptome, an denen der Patient einen Bauchwandbruch erkennen kann?

Dr. Schmidbauer: Typisch ist die bereits erwähnte Schwellung oder Beule am Bauch, die vorher nicht da war und die sich meist durch die Bauchwand zurückdrücken lässt. Der Weichteilbruch kann so klein sein wie ein Knopf oder so groß wie eine Melone. Oft haben die Betroffenen keine Beschwerden, gelegentlich treten aber Schmerzen auf und im Extremfall leiden die Patienten unter Erbrechen, Fieber oder Verstopfung. Spätestens bei Komplikationen wie diesen sollte der Patient sofort den Hausarzt konsultieren, weil eine Darmeinklemmung bestehen kann, die lebensbedrohliche Folgen nach sich ziehen kann und einer sofortigen Operation bedürfte.

 

Wann raten Sie zur Operation?

Dr. Schmidbauer: Bei Schmerzen und drohender Einklemmung des Darms. Bei einem Narbenbruch rate ich immer zur OP, denn das Risiko ist erheblich, dass diese Brüche größer werden.

 

Was können die Konsequenzen eines nicht behandelten Bauchwandbruches sein?

Dr. Schmidbauer: Ein eingeklemmter Darm kann schwerwiegende Folgen wie Durchblutungsstörungen beziehungsweise das partielle Absterben des Darms haben. So kann es passieren, dass Darminhalt in den Bauchraum fließt, was wiederum eine akut lebensgefährliche Bauchfellentzündung oder eine Sepsis verursachen kann.

 

Worauf muss sich ein Patient bei der Operation einstellen und welche Operationsverfahren kommen im Hernienkompetenzzentrum der Klinik zum Einsatz?

Dr. Schmidbauer: Das konkrete Vorgehen hängt immer von der Form des Bruches und vom Patienten ab. Bei der Entscheidung spielen das Alter und eventuelle Begleiterkrankungen und Voroperationen eine wichtige Rolle. Eine Möglichkeit besteht in der Rückpositionierung des Darms an seinen ursprünglichen Platz und der anschließende Verschluss der Bruchstelle mit einer Naht.

Sehr gute Erfolge verspricht dabei ein netzverstärktes Verfahren, besonders bei Patienten über 30 oder mit einem schwachen Bindegewebe. Dabei wird ein Kunststoffnetz über die gerissene Stelle gelegt und befestigt.

Beide Eingriffe führen wir häufig ambulant und minimalinvasiv durch, also lediglich mit sehr kleinen Einschnitten. Das hat den Vorteil, dass sich die Patienten schneller erholen und in der Regel weniger Schmerzen nach der OP haben. Drei Wochen später sind die Operierten im Allgemeinen wieder voll belastungsfähig.

In unserer Kreisklinik führen wir jährlich mehr als 200 Eingriffe zur Behebung von Bauchwandbrüchen durch. Seit 2013 beteiligen wir uns am Qualitätssicherungsverfahren Herniamed und konnten in einem gesonderten Zertifizierungsverfahren 2017 eine hohe Behandlungsqualität nachweisen. Dazu waren unter anderem Patienten 1 Jahr nach der OP nochmals kontaktiert worden, um den Behandlungserfolg zu überprüfen.

 

Trotzdem möchte ja niemand gerne operiert werden. Gibt es auch Möglichkeiten, einem Bauchwandbruch vorzubeugen?

Dr. Schmidbauer: Unbedingt Übergewicht vermeiden und die Bauchmuskeln durch Sport stärken. Übrigens ist auch Rauchen ein Risikofaktor, weil es das Gewebe angreift.



Abteilung für Chirurgie


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